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Mit Reet ein Dach ĂĽberm Kopf

Ein typisches modernes Reetdach. Photo: Rupert Ganzer

Was Fachwerkhäuser in Süddeutschland, sind Reetdachhäuser im Norden. Entstanden ist diese Art der Hausüberdachung vor rund 7.000 Jahren. Damals wurde der Norden erstmals von Jägern und Sammlern bevölkert. Nach einiger Zeit stellten diese auf Viehzucht und Ackerbau um und benötigten endlich ein richtiges Dach über dem Kopf. Sie entwickelten ein Konstrukt, das aus Latten und getrocknetem Schilfgras, dem Reet, bestand. Dies behielt nicht nur Wärme drinnen und ließ Kälte draußen, sondern war auch noch wasserabweisend.

Auch mit Feuer ließen sich die Reetdächer gut vereinbaren. Durch ein kleines Loch im Dach konnte der Rauch entweichen und der Ruß, der sich an den Innenwänden ablagerte, schützte zusätzlich vor Insekten.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Reetdach die beliebteste Bauweise in Norddeutschland. Vor allem seine unkomplizierte Bauweise war für die Bauern attraktiv: Sie brauchten keine Handwerker mehr, um ihr Haus zu decken, sondern schufen es sich einfach selbst. Das ursprüngliche Reetdach ging vom Boden bis in den Giebel, weshalb keine Mauerung des unteren Geschosses von Nöten war.

In der Stadt erwies sich der Reetdachbau hingegen als unpraktisch, wenn nicht sogar gefährlich. Denn kam es einmal zum Brand verteilte sich das brennende Schilfgras durch die Luft und entflammte alle umliegenden Häuser.

Die heutigen Bedenken gegenüber Reet, wie Schimmel- und Pilzbefall, rühren nicht von der Beschaffenheit des Daches selbst, sondern von einer inkorrekten Errichtung her. Der Winkel eines solchen Daches muss nämlich, damit Regenwasser ablaufen kann, mindestens 40 Grad betragen. Ignorieren Bauherren diese Vorschriften, fangen die Dächer natürlich an zu schimmeln – das sei aber auch bei allen anderen Materialien so, so die Experten für Reetdachbau.

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