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Der Gartenzwerg

Gartenzwerge gehören nach wie vor zum typisch deutschen Garten. Photo: Rupert Ganzer

Die Tradition der Gartenzwerge ist bereit Jahrhunderte alt. Sie begann im späten 17. Jahrhundert, als der Künstler Johann Bernhard Fischer von Erlach auf heidnischen und germanischen Mythen aufbauende, zwergenartige Sandskulpturen entwarf. Von den vielen tausend barocken Zwergen in ganz Europa sind nur noch wenige hundert erhalten.

Das Aussehen basierte damals auf kleinwüchsigen und missgebildeten Personen, die sich Könige, Barone und sonstige wichtige Adelsvertreter zum Amüsement in ihre Residenzen holten, wie auch der klassische Hofnarr.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebten diese Gartenzwerge dann eine Renaissance. Ab da stellten sie hauptsächlich Gärtner oder Bergleute nach. Haupterkennungszeichen waren Laterne, Schubkarre, Spitzhacke und Schaufel. Bis in die 1920er und 1930er Jahre waren Gartenzwerge durch alle Bevölkerungsschichten durch sehr beliebt. Dies veränderte sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte, bis das als spießerbürgerliches verschrienes Merkmal Ende der 60er Jahre vollends aus den deutschen Gärten verschwand.

Wie alles, was seine Hoch- und Tiefphasen hat, eroberte aber auch der Gartenzwerg wieder die grünen Wiesen und Blumenbeete in Vorgärten. Besonders nach 1990 entstand um den Gartenzwerg ein Hype. Grund dafür waren maßgeblich abgeänderte Versionen des kleinen Mannes, die den Stinkefinger zeigten, sich entblößten oder sonstige, gartenzwerguntypische Attribute aufwiesen.

Fans des klassischen Gartenzwergs gingen infolge dessen auf die Barrikaden. Für sie gehört ein Gartenzwerg sittlich, männlich, mit Zipfelmütze und Bart und auf keinen Fall größer als 69 Zentimeter Körpergröße. Dafür wurde 1981 in Basel sogar die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge gegründet.

Als Gegenbewegung dazu entstand augenzwinkernd die Front zur Befreiung der Gartenzwerge, die diese aus den Gärten „befreit“ und in ihrem natürlichen Lebensraum, Wald und Wiesen, wieder aussetzt.

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